Sprache

1990 befanden sich die Gebäude in einem sehr schlechten Zustand. Fotos der Zeit zeigen die Stiftungen noch einmal kurz vor dem Verfall. Viele Menschen haben eine ganz persönliche Bindung zu den Franckeschen Stiftungen, sie haben hier gelernt, gewohnt oder gearbeitet. Bis heute sind ihre Biografien mit den Franckeschen Stiftungen verbunden.

Die Fotografien aus den Jahren 1984 sowie 1989/1990 schließen unsere Erinnerungslücke. Sie zeigen vergessene die Blickachsen des historischen Geländes, Häuserzüge im Lindenhof und Fassadendetails.

An einer vielbefahrenen Handelsstraße südlich von Halle errichtete August Hermann Francke ab 1698 das Hallesche Waisenhaus. Das weithin sichtbare, dreistöckige Gebäude mit Sockelgeschoss, Freitreppe und geräumigem zweigeschossigem Mansarddach mit Tympanon adaptierte u. a die Architektursprache von Stadtpalais‘ und ist der Nukleus des Reformwerks Franckes. Die Grundstruktur der zukünftigen Schulstadt ist hier eingeschrieben: Ebenerdig lagen Druckerei, Labore und Lager, in der Empfangsetage öffneten Buchhandlung und Apotheke ihre Türen, in den oberen Geschossen waren die Wohn- und Unterrichtsräume der Schüler angeordnet.

Das die Umgebungsbauten um zwei Geschosse überragende Gebäude ist nachweislich erstmals in der Region mit einem Mansarddach ausgestattet worden. Diese Dachkonstruktion schafft eine zusätzliche Etage und erlaubt so eine optimale Raumausnutzung. Der zurückhaltende Fassadenschmuck wirkte stilbildend für eine Strömung im Barock, die von einem nüchtern-erhabenen Stil als Ausdruck des pietistischen Protestantismus geprägt ist. Hohe zweiflüglige Fenster leuchteten das Innere aus und schmückten die klar gegliederte Fassade. Das Mansarddach bot im Unterdach den Waisenknaben als Schlafsaal Platz, später wurde hier die Kunst- und Naturalienkammer, die berühmte »Wunderkammer« eingerichtet. Bereits im 18. Jahrhundert gab es öffentliche Führungen durch die Kammer. Bibelspruch und Bildprogramm im Tympanon der Fassade des Waisenhauses formulieren Franckes Motivation und sein Selbstverständnis als Werkzeug Gottes: »Die auf den Herrn harren kriegen neue Kraft auf dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler«, Jes. 40,31.

1995 konnte das Historische Waisenhaus als kulturelles Zentrum der Franckeschen Stiftungen wiedereröffnet werden. Hier werden seitdem regelmäßig Ausstellungen gezeigt, Tagungen organsiert oder im beeindruckenden Freylingahusen-Saal im Rahmen der kulturellen Jahresprogramme Veranstaltungen durchgeführt, die ihr Publikum weit über die grenzen der Stadt Halle hinaus finden. 

Die Rettung den Waisenhauses zeigt, wie gemeinsame Anstregungen zum Ziel führten. Zur Finanzierung trugen die Europäische Union, die Bundesrepublik Deutschland, die Stadt Halle, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Lotto-Toto Sachsen-Anhalt und maßgeblich der Freundeskreis der Franckeschen Stiftungen bei. Das unglaubliche Aufbauwerk hatte mit der Einweihung des Gebäudes im Herbst 1995 Fahrt aufgenommen.

Kapitelauswahl

Historisches Waisenhaus

Schwarzer Weg

Lindenhof

Logo - Bundesregierung (Medien und Kultur)
Logo - Freundeskreis der Franckeschen Stiftungen
Logo - Sachsen Anhalt (Kultusministerium)